Klimaanpassungsbedarfe im Kulturbereich

Nach den Ergebnissen einer bundesweiten Befragung von 2N2K Deutschland sehen 90 Prozent der Kulturorganisationen in den kommenden Jahren einen hohen bis mittleren Handlungsbedarf für Klimaanpassungsmaßnahmen. Vom 27. Mai bis 15. Juni 2026 führte das Netzwerk Nachhaltigkeit in Kunst und Kultur (2N2K Deutschland) eine bundesweite Bestands- und Bedarfserhebung zur Klimaanpassung im Kulturbereich durch, an der sich 431 Kulturakteure aller Größen aus fast allen Bundesländern beteiligten.

Die Befragung, die den gesamten Kulturbereich adressierte und sich insbesondere an Kultureinrichtungen und Kulturveranstaltungen, Kulturverwaltungen sowie Kulturberatungen richtete, war von zahlreichen Verbänden und Multiplikator*innen unterstützt worden. Die Erhebung liefert erstmals umfangreiche Daten zu Bedingungen, Bedarfen und Möglichkeiten der Klimaanpassung im Kulturbereich.
Bei zwei Dritteln aller Kulturorganisationen (68%) nimmt Klimaanpassung aktuell einen mittleren bis hohen Stellenwert ein und hat damit eine ebenso große Bedeutung wie für kommunale Verwaltungen, wie die 2023 vom Umweltbundesamt durchgeführte Kommunalbefragung Klimaanpassung ergeben hatte. Die große Relevanz gilt sowohl für Kultureinrichtungen und Kulturveranstaltungen, die mit 63 Prozent die größte Zielgruppe der Befragung bildeten, wie auch für die zweite Zielgruppe der kommunalen Kulturverwaltungen. Insbesondere Bibliotheken und Museen sowie Musik- und Konzerthäuser zeigten in der Befragung eine hohe Beteiligung. Die Ergebnisse machen grundsätzlich eine sehr umfangreiche Betroffenheit der Kulturorganisationen mit vielfach eingetretenen Schäden und Beeinträchtigungen deutlich. Nach der digitalen Befragung, die noch vor der ersten Hitzewelle im Juni durchgeführt wurde, geht die größte Belastung des Kulturbereichs bisher von zunehmenden Hitzetagen aus und wirkt sich insbesondere auf Besucher*innen und Mitarbeiter*innen aus. Auch in Starkregen, Sturzfluten und Hagel erkennt ein überwiegender Anteil der Kulturorganisationen mittlere bis starke Auswirkungen des Klimawandels auf Gebäude, Außenflächen, Veranstaltungen, Mitarbeiter*innen und Besucher*innen.

Im Umgang mit den Folgen des Klimawandels kann der Kulturbereich in drei Gruppen eingeteilt werden, in Vorreiter mit realisierten Maßnahmen (29%), in Aktive mit geplanten Maßnahmen (29%) und in Passive, die sich noch nicht mit konkreten Maßnahmen beschäftigt haben (22%). Dies zeigt sich auch an den Erfahrungen der Befragungsteilnehmer*innen, die für das Thema Klimaanpassung mindestens sensibilisiert sind und deren Spektrum von einer Informiertheit über die Mitwirkung an Maßnahmen bis zur regelmäßigen Tätigkeit reicht. Dabei sind kommunale Klimaanpassungsstrukturen in Kulturorganisationen oft nicht bekannt (rund 50%) und gibt es insgesamt nur geringe Kenntnisse über nationale Rahmenbedingungen, Strukturen und Kompetenzzentren für Klimaanpassung.

In künftiger Erwartung einer überwiegend mittleren bis starken Betroffenheit bei allen Klimafolgen sehen 90 Prozent der Kulturorganisationen in den kommenden Jahren einen hohen bis mittleren Handlungsbedarf für Klimaanpassungsmaßnahmen. Hierbei stehen die Klimaanpassung von Gebäuden und der Gesundheitsschutz von Mitarbeiter*innen und Besucher*innen im Vordergrund. Entsprechend besteht im Kulturbereich ein vielseitíger Informations- und Unterstützungsbedarf zum Thema Klimaanpassung. Jede zweite Kulturorganisation wünscht sich mehr Informationen bei der Notfallplanung, bei der Begrünung und bei der klimaangepassten Veranstaltungsplanung. Dies drückt sich auch in einem sehr breiten Qualifizierungsbedarf aus, wonach 87 Prozent der Kulturorganisationen in den kommenden Jahren einen hohen bis mittleren Bedarf für Weiterbildungen zu Bedingungen und Möglichkeiten der Klimaanpassung bekunden.

„Die im Rahmen des von Bundesumweltministerium und Umweltbundesamt geförderten Vorhabens Klimaanpassungskompetenz im Kulturbereich durchgeführte Bestands- und Bedarfserhebung zeigt insgesamt sowohl die starke Sensibilisierung und Betroffenheit des Kulturbereichs bei den Folgen des Klimawandels und insbesondere von Hitze auf, als auch den großen Handlungs-, Unterstützungs- und Qualifizierungsbedarf“, fasst Dr. Ralf Weiß, Vorsitzender von 2N2K Deutschland die Befragungsergebnisse zusammen. In einer digitalen Veranstaltung zur Vorstellung der Ergebnisse diskutieren am 16. September Vertreter*innen aus Kulturverbänden, Kulturverwaltungen und Wissenschaft über Schlussfolgerungen und eine künftig stärkere Rolle von Klimaanpassungsmaßnahmen im Kulturbereich.

Weitere Informationen:

Ergebnisbericht: Klimaanpassungsbedarf im Kulturbereich: PDF

Pressemitteilung 11.08.2026: Klimaanpassungsbedarfe im Kulturbereich: PDF

Digitale Veranstaltung 16.09.2026: Klimaanpassungsbedarfe im Kulturbereich: Anmeldung

Bundesweite Befragung: Klimaanpassung im Kulturbereich: Link

Projekt: Klimaanpassungskompetenz im Kulturbereich: Link