Interview: “Das 2N2K-Netzwerk gehört im deutschsprachigen Raum zu den Pionieren kultureller Nachhaltigkeit”

2N2K Deutschland feiert 2026 sein 10-jähriges Jubiläum. Im Interview erläutert Dr. Ralf Weiß, Vorsitzender von 2N2K Deutschland, die Gründungsidee und aktuelle Jubiläumsaktivitäten.

 

2N2K Deutschland wurde Anfang 2016 gegründet. Welche Rolle spielte die nahezu zeitgleiche Verabschiedung des Pariser Klimaabkommens und der UN Agenda 2030 für die Gründung?

Die Gründungsversammlung der sieben erforderlichen Vereinsmitglieder im Januar 2016 fand tatsächlich genau einen Monat nach dem Abschluss der Pariser Klimakonferenz (COP21) und der Einigung auf das Pariser Klimaschutzabkommen statt. Die Parallelität setzte sich sogar bei der ersten Mitgliederversammlung im September fort, die nur wenige Tage vor der offiziellen Ratifizierung des Übereinkommens von Paris durch die Europäische Union zusammenkam. Diese beschäftigte sich übrigens weniger mit inhaltlichen Schwerpunkten, sondern mit dem neuen Vereinslogo und dem bevorstehenden Launch der Vereins-Website.

Für die Gründung waren diese politischen Entscheidungen sicher förderlich. Der zentrale Gründungsimpuls lag jedoch primär in dem nicht länger hingenommenen Mangel fehlender praktischer Angebote und einer fehlenden Auseinandersetzung des Kulturbereichs mit Nachhaltigkeitsherausforderungen. Mit der Gründung des Vereins wollten die ersten Vereinsmitglieder diese Lücke schließen. Damit gehört das 2N2K-Netzwerk im deutschsprachigen Raum zu den Pionieren kultureller Nachhaltigkeit.

Der Verein startete seine Aktivitäten sowohl in Deutschland als auch in der Schweiz. Bei welchen Kultursparten fand das am Anfang die größte Resonanz?

In der Schweiz war die Stiftung Mercator für 2N2K schon früh ein wichtiger Partner, mit deren Förderung wir ein Ausstellungskonzept zur Bedeutung der Suffizienz entwickeln konnten. Später unterstützte die Mercator Stiftung Schweiz auch ein größeres Museumsprojekt. In Deutschland bestand bei Soziokulturellen Zentren sowie den soziokulturellen Landesverbänden ein großes Interesse. Dies gilt sowohl für Hessen, wo 2N2K Deutschland seinen ersten Vereinssitz hatte, als auch für Nordrhein-Westfalen und Thüringen. In den ersten Projekten mit Einrichtungen wie dem Schlachthof Kassel, dem mon ami in Weimar oder dem Kulturzentrum Lichtburg in Wetter erhielten wir eine Förderung des Fonds Soziokultur und kooperierten wir mit der LAKS Hessen sowie der LAG Thüringen und der LAG Nordrhein-Westfalen. Zwischen 2016 und 2020 war das Projekt Klimaneutrale Veranstaltungen in der soziokulturellen Praxis sicher unser wichtigstes Vorhaben.

Im Bereich der Kunst ergab sich 2018 eine kuratorische Zusammenarbeit mit der Akademie für Darstellende Kunst Baden-Württemberg (ADK) in Ludwigsburg. Anlässlich ihres 10-jährigen Jubiläums organisierte die ADK gemeinsam mit 2N2K ein zweitägiges Symposium, an dem  sich nationale und internationale Akteure, Kunstschaffende und Experten wie Harald Welzer, Adrienne Goehler, Alison Tickell oder Bodo Richter vom Rat für Nachhaltige Entwicklung beteiligten. Wie ein aktuelles 2N2K-Projekt wurde das damalige Symposium von der Baden-Württemberg-Stiftung gefördert.

Welche Rolle spielen die Mitglieder beim Netzwerk und wer gehört inzwischen zu Ihrem Netzwerk?

Die Mitglieder bilden unsere DNA. Dies gilt sowohl für die Gründungsmitglieder als auch für Mitglieder der zweiten Generation, die insbesondere über unser Vorhaben Culture4Climate zum Verein gekommen sind. Unsere Mitglieder sind sowohl Ideengeber und Förderer als auch Experten oder Referenten für vielfältige Aktivitäten und Anfragen. Parallel zur ehrenamtlichen Struktur beschäftigt 2N2K Deutschland seit 2021 auch wissenschaftliches Personal und Projektmitarbeitende. Während die kontinuierliche Mitgliederzahl mit Einzelpersonen und institutionellen Mitgliedern eine stabile Vereinsorganisation ermöglicht, kann das Netzwerk über seine Mitarbeitenden ein verlässliches Angebot an Unterstützung, Weiterbildung oder Beratung leisten. Nicht nur vor dem Hintergrund schrumpfender Kulturhaushalte ist hier unser Fördercoaching gut nachgefragt.

Über den Mitgliederkreis hinaus ist das Netzwerk in den letzten Jahren insbesondere über die Nachhaltigkeitsdeklaration für den Kulturbereich, das bundesweite Kompetenz- und Vernetzungsportal von Culture4Climate sowie Ausschreibungen für Klimapartnerschaften zwischen Kultur und Wirtschaft und den Culture4Climate-Preis erheblich gewachsen. Hierzu gehören Kultureinrichtungen wie Bibliotheken, Konzerthäuser und Museen, Kultur- und Umweltstiftungen, Kulturverbände, Bildungs- und Forschungseinrichtungen oder kommunale Kulturverwaltungen sowie Politik und Ministerien. Auf unserem Vernetzungsportal können sich Netzwerkakteure registrieren und in eine Netzwerkkarte eintragen. Mit unserem Newsletter erreichen wir regelmäßig über 1.000 Akteure und Interessenten. Gerade im letzten Jahr spielte auch die europäische und internationale Vernetzung eine zunehmend wichtige Rolle.

Welche Aktivitäten planen Sie im Jubiläumsjahr und welche Schwerpunkte sehen Sie für die kommenden Jahre?

Das Jubiläumsjahr starten wir im Januar bei der Europäischen Akademie Berlin mit einer internen Klausur und einer vom Umweltbundesamt organisierten Kooperationsveranstaltung zu Erfahrungen und Perspektiven mit Klimaprogrammen im Kulturbereich mit 2N2K Deutschland und der Kulturstiftung des Bundes. Im ersten Quartal planen wir auch eine Fortsetzung unserer 2025 begonnen Dialogreihe Kulturagenda 2030. Im Bereich Weiterbildung wird es während des Jahres mehrere Angebote in Zusammenarbeit mit unserem Partner Nordkolleg Rendsburg geben. Inhaltlich steht eine Erweiterung unseres Klimaprogramms Culture4Climate um den Bereich Klimaanpassung an, wofür 2N2K bis 2027 eine Bundesförderung erhält. Im Laufe des Jahres wollen wir auch die Ziele des Vereins weiterentwickeln. Nach einer Gründungs- und Etablierungsphase des Netzwerks Nachhaltigkeit in Kunst und Kultur, in der einerseits Pionierarbeit und andererseits Vorhaben zu Klimaschutz im Kulturbereich im Mittelpunkt standen, wird sich 2N2K Deutschland weiter professionalisieren. Aus unserer Sicht wird sich das Aufgabenspektrum in den nächsten Jahren deutlich erweitern und auch internationalisieren.