Selbstversuch: Klimaneutrale Veranstaltungen in der soziokulturellen Praxis

12 Millionen Menschen besuchen jährlich bundesweit Veranstaltungen in soziokulturellen Zentren, mit steigender Tendenz. Bei der Organisation und Durchführung dieser Veranstaltungen entstehen CO2-Emissionen, zum Beispiel bei der An- und Abreise der Teilnehmer, beim Heizen von Veranstaltungsräumen oder beim Anbau, der Produktion sowie der Logistik landwirtschaftlicher Produkte, mit denen die Verpflegung der Teilnehmer ermöglicht wird.

„Kunst und Kultur bieten reichhaltige und vielfältige Ausdrucksformen. Voraussetzung ist und bleibt, dass wir sie in einer pluralen und nachhaltigen Gesellschaft leben und auch weiterentwickeln.“

Harald Scherbach, Brotfabrik Frankfurt

Das Bewusstsein, dass eine Senkung von Treibhausgasemissionen der Mitwirkung bedarf, steigt. Dies haben auch 7 soziokulturelle Zentren aus Hessen, Thüringen und Nordrhein-Westfalen erkannt, die sich im Zeitraum zwischen Juli 2018 und Dezember 2019 dem „Selbstversuch: Klimaneutrale Kulturveranstaltungen in der soziokulturellen Praxis“ stellen. Eingebunden in eine bundesweite Initiative zur Entwicklung von Nachhaltigkeitskultur, gefördert vom Fonds Soziokultur und beratend begleitet vom Netzwerk Nachhaltigkeit in Kunst und Kultur (2N2K), setzen sich die Zentren mit der Herausforderung auseinander, was es für die Praxis bedeutet eine Veranstaltung klimaneutral durchzuführen.

Dabei sollen konkrete Bezugspunkte soziokultureller Zentren zu den Nachhaltigkeitszielen der Vereinten Nationen/Agenda 2030 (SDG) identifiziert werden. Dies betrifft insbesondere Ziel 4 (Hochwertige Bildung), Ziel 12 (Nachhaltiger Konsum) und Ziel 13 (Maßnahmen zum Klimaschutz). Mehr Informationen zu den SDGs

Das Team vom Netzwerk Nachhaltigkeit in Kunst und Kultur taucht gemeinsam mit den Zentren in die Nachhaltigkeitswelt ein, identifiziert Lücken und bereitet den Weg für weitere Entwicklungsmöglichkeiten. Die Selbstversuche werden vom 2N2K-Team beratend begleitet und dokumentiert. Beteiligt daran sind Walter Spruck, Christian Müller-Espey und Kristina Gruber.

Die Möglichkeiten und die Hindernisse auf dem Weg zur Klimaneutralität werden in einem Praxisratgeber zusammengefasst und zum Projektabschluss auf der bundesweiten Onlineplattform www.jetztinzukunft.de veröffentlicht.

Die teilnehmenden Zentren

  • Brotfabrik, Frankfurt am Main (Hessen)
  • Capitol, Witzenhausen (Hessen)
  • Centralstation, Darmstadt (Hessen)
  • Kulturzentrum Lichtburg, Wetter (Ruhr) (NRW)
  • Kulturzentrum Kreuz, Fulda (Hessen)
  • mon ami, Weimar (Thüringen)
  • Schlachthof, Kassel (Hessen)

Das Team

Kristina Gruber ist freiberufliche Beraterin für Nachhaltigkeit. Sie berät und unterstützt Kulturbetriebe und Veranstalter bei der Umsetzung ihrer Nachhaltigkeitsziele. Kristina ist studierte Geografin und erlangte Ihren Master in Nachhaltigem Wirtschaften an der Universität Kassel.

Dr. Christian Müller-Espey studierte Kultur- und Medienmanagement an der Hochschule für Musik und Theater Hamburg. Nach langjähriger Geschäftsführung eines soziokulturellen Zentrums arbeitet er als Wissenschaftlicher Mitarbeiter des Instituts für Kulturpolitik der Universität Hildesheim, wo auch seine Promotion erfolgte. Als Leiter eines bundesweiten Projekts forscht und lehrt er transdisziplinär zur Sozio- und Nachhaltigkeitskultur und vertritt das Institut im BNE-Partnernetzwerk Kulturelle Bildung und Kulturpolitik. 

Walter Spruck ist Leiter des Instituts für Nachhaltigkeit in Kultur und Tourismus sowie Vorstand von 2N2K, dem Netzwerk Nachhaltigkeit in Kunst und Kultur. Er hat zahlreiche innovative Projekte mit Theatern, Kinos, Ausstellungshäusern und soziokulturellen Zentren begleitet.